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Hans-Georg Lohe, Rede zu Chinesiche Spatzen
Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Düsseldorf

Julia Lohmann - Chinesische Spatzen

Rede von Hans-Georg Lohe zur Eröffnung der Ausstellung in der Halle 6 – Galerie Christine Hölz 22. Oktober 2006

Liebe Frau Lohmann, sehr geehrte Frau Hölz,

als Kulturdezernent der Landeshauptstadt Düsseldorf bin ich immer besonders froh, wenn ich zu einer Ausstellung, die Brücken schlägt, begrüßende Worte sprechen kann, denn solcher künstlerischer Brückenschlag ist mir in meiner Tätigkeit ein besonderes Anliegen.

Rede - Chinesische SpatzenDr. Volkmar Essers, Julia Lohmann, Christine Höltz, Hans-Georg Lohe (v. l.)

Julia Lohmann ist mir seit vielen Jahren aus der Düsseldorfer Kunstszene bekannt und ein Begriff als eine Künstlerin, die den Dialog zwischen unterschiedlichsten Künstlern, zwischen verschiedenen künstlerischen Techniken, zwischen Städten und Ländern, ja auch zwischen häufig nur schwer zu vereinbarenden Positionen von Kunst und Verwaltung, von Kunst und Politik besonders beherrscht. Sie versteht es, mit stiller Beharrlichkeit, tolerant wie ohne falsche Kompromissbereitschaft, ihre Botschaften der Farbe, des Lichts, der spannungsreichen Differenz der Form zu vermitteln. Es weht eine bewundernswerte Luftigkeit und Heiterkeit durch ihre immer wieder experimentelle Kunst, obwohl diese zugleich erstaunlich massiv sein kann – ich denke nur an den bemalten sechs Meter großen skulpturalen Bogen auf Aluminium, der hier vor dem roten  Lichtraum von Otto Piene mitten in der Ausstellungshalle steht.

Schon diese zunächst gar nicht vorgesehene Konfrontation mit dem Werk von Piene zeigt Julia Lohmanns besondere Fähigkeit zum Dialog. Wir freuen uns, daß durch das Einverständnis von Frau Lohmann Pienes Lichtraum nun noch einige Monate hier in der weiten Halle weiter seine suggestive Kraft entfalten kann. Julia Lohmann hat dieses Werk in ihre Ausstellung integriert, hat den nach außen kräftig roten Lichtraum zum „Kaiserpalast – verbotene Stadt“ erklärt, um den herum sie nun – zusammen mit dem Kurator der Ausstellung, Herrn Dr. Volkmar Essers, –  Ausschnitte ihres Werks der letzten zwanzig Jahre wie eine Stadtlandschaft platziert hat. Und dazu zählt, wiederum im Dialog, hinter dem nun sogenannten „Kaiserpalast“ auch Lohmanns „Gelbes Tor“ von 1995, das übrigens zum zunächst etwas rätselhaften Ausstellungstitel „Chinesische Spatzen“ führte, denn in diesem Tor sind veritable Kanarienvögel zu Haus, die Lohmanns besonders geliebte Farbe – Gelb – tirilierend durch die Lüfte tragen. Dass in China gar keine Kanarienvögel die Landschaft bevölkern, weiß Julia Lohmann natürlich genau – sie spielt mit diesem Zitat aus der Tierwelt sicher poetisch auf ihre eigene Malerei an, denn die Chinesen haben seit vielen Jahren eine besondere Vorliebe für ihr Werk entwickelt. Julia Lohmann, auch hier wieder eine Brückenschlägerin, war mehrfach als Gastprofessorin an die Akademie in Tianjin eingeladen, sie hat 1998 erstmals im Quingdao Art Museum in China ausgestellt und steht gerade vor einer weiteren Ausstellung eben in der Volksrepublik China. Ich halte dies für eine besonders bemerkenswerte Leistung, wenn Kunst aus Düsseldorf, das Werk einer Schülerin der hiesigen Akademie, einer Schülerin von Beuys und Heerich, im fernen Osten eine so schöne Resonanz erfährt. Die weltweite Wirkung von Kunst aus Düsseldorf wird hier ganz aktuell sichtbar.

Ob Paul Pozozza zur Eröffnung in China kommt, ob er vielleicht sogar heute inkognito unter uns weilt? Sie werden meine Anspielung verstehen, Julia Lohmann war in den achtziger Jahren Mitbegründerin der so regsamen Gruppe „Paul Pozozza Museum“. Diese Gruppe hat unter dem fiktiven Namen eines legendären Museumsdirektors damals Furore gemacht. Sie hat  Ausstellungen ebenso in den – heute verschwundenen – geheimnisvollen Kasematten am Düsseldorfer Rheinufer wie weit weg in Kalifornien im Santa Monica Art Museum mitorganisiert. Sie hat sogar Modelle für einen eigenen innovativen Museumsbau entwickelt – einer dieser phantastischen Architekturentwürfe wurde kürzlich erfreulicherweise von einem realen Museum, nämlich unserem Düsseldorfer museum kunst palast, angekauft. Hier hatte – damals noch Kunstmuseum genannt – Julia Lohmann übrigens 1982 auch ihre erste Gruppenausstellung: „0211“. Sie gehört, auch durch ihre früheren Einzelausstellungen in den Galerien Schmela und Hühnermann, fest zur Düsseldorfer Szene, ist inzwischen aber genauso in Berlin zu Haus. Und ebenso auch in China wie in Marney-sur-Seine, wohin Julia Lohmann mehrfach als Stipendiatin eingeladen wurde. (Ihre vom Wasser des Flusses Seine inspirierten Bilder auf Nessel können Sie ebenfalls hier in der Ausstellung sehen.)

Ich beglückwünsche Julia Lohmann und die Galeristin herzlich zu der so geglückten Ausstellung, mit der sie ein Resümee über zwanzig Jahre künstlerische Arbeit zieht.


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